Nachhilfe für Schwaben: Wie verstehe ich Berliner?

Als Badener, der schon 22 Jahre in Berliebt, fällt mir immer wieder auf, wie schlecht die zahlreichen Berlin besuchenden oder auch nach Berlin ziehenden Schwaben die Berliner verstehen. Die Nachhilfestunde des SC Freiburg für den VFB Stuttgart im Fußball am letzten Sonntag, ermutigen mich nun, meinen schwäbischen Mitbürgern auch in Sachen „Verhalten der Berliner“ etwas Nachhilfe zu geben.

Fangen wir in einer Bäckerei an. Ganz falsch wäre es – lieber Schwabe – nach der Bestellung der drei Brötchen (um Gottes Willen nicht „Weckle“) ein: „Darf es noch etwas sein?“ zu erwarten. Der archetypische Berliner Versorger oder Verteiler – Verkäufer wäre wirklich am Thema vorbei – bevorzugt eine ehrliche Kundenbeziehung ohne geschäftliche Hinterabsichten. Dafür reicht ein „Noch?“ oder in der ausführlichen Wochenendlangform ein „Noch etwas?“; kurz, präzise ohne jede Anbiederei.

Schild in Berliner Kneipe; Quelle: www.schwaebische.de

Kleiner Exkurs: An sich sollte diese Sparsamkeit eine Brücke zwischen Euch Schwaben und den Berlinern bauen: Die Berliner sparen mit Worten, Ihr beim Geldausgeben.

Es ist unbedingt anzuraten, diese Ebene der ehrlichen Kunden – Lieferantenbeziehung zu wahren und immer mit einer ebenso knappen Antwort zu reagieren. Zusätzlich wird eine leicht devote Haltung meist auch positiv aufgenommen und stabilisiert die Beziehung.

Die Berliner sind nicht nur ehrlich, sie schätzen auch eine gewisse Ordnung im Chaos. An das alltägliche Chaos zum Beispiel bei der S-Bahn oder beim Flughafen haben sich die Berliner gewöhnt. Bewahrt haben sich trotzdem einen preußischen Ordnungssinn, der sich dann in den Details des täglichen Lebens unerbittlich zeigt. Wildes Durcheinander beim Anstehen in eine Wäscherei wird mit dem Ordnungsruf: „Abgabe links“ korrigiert. Die etwas bösere Variante lautet: „Können Sie nicht lesen?“. Dabei unterstellen die Berliner nicht wirklich eine Leseschwäche der Schwaben. Nein, im Berliner Archetyp steckt immer auch einer Lehrer, der motivieren möchte. Deshalb gleich die nächste Lektion für Euch Schwaben.

Neben dem Ordnungssinn schätzen die Berliner die Genauigkeit. Eine Berliner Friseuse würde sich auf die Frage: „Wie lange kann es noch gehen, bis ich dran bin?“ niemals einer ungefähren Zeitangabe hinreißen lassen. Lieber sagt sie „Das kann ich nicht genau sagen!“. Wie soll sie den auch die Zeit zum Ausfegen des Ladens abschätzen? Das Defizit von Griechenland im nächsten Jahr lässt sich ja auch nicht exakt vorhersagen.

„Weiß nicht“ oder „geht nicht“ hört der Schwabe in Berlin nur zum eigenen Schutz: So können überhöhte Erwartungen nie enttäuscht werden. Diese ehrliche Beziehung wird manchmal noch vertieft durch Insiderinformationen: „Wenn die mir“ – gemeint sind die Vorgesetzten – „keine Schulung geben, braucht es halt lange bis ich die Daten für einen Ausweis aufgenommen habe.“ An dieser Stelle lieber Schwabe einen guter Rat: Nicht genervt wirken. Hier entwickelt sich gerade ein vertrautes Tete a Tete, das noch Stunden dauern kann.

Aber nicht falsch verstehen: Übertriebene Freundlichkeiten kommen nicht gut. Zieht sich die Ausstellung des Ausweises bis in die Abendstunden, so kann man das lange Zusammensein mit einem knappen „Schönen Abend, noch“ abschließen. Wichtig aber dabei wieder, nicht in die Augen schauen oder ja keine weiteren Fragen. Wir wissen ja noch aus ersten Lektion: Anbiederei kommt nicht gut an.

Für Euch zusammengefasst: Die Berliner verfügen über einige schwäbische Eigenschaften. Sie sind sparsam mit Worten und lieben korrektes Verhalten in Situationen, in den man es nicht vermutet. Außerdem sind sie ehrlich und direkt. Wenn Ihr das alles beherzigt, kommt ihr gut durch.

Die Legende vom Betreuungsgeld – die Bayern schlagen zurück

Fälschlicherweise wird immer wieder behauptet, das Betreuungsgeld – von bösartigen Kritikern Herdprämie genannt -  werde von der bayrischen Politik gefordert, weil diese ein völlig antiquiertes Frauen- und Familienbild habe. Dass diese Behauptung völlig falsch ist, zeigen schon die Familienverhältnisse  des Ministerpräsidenten. 

Hinter der Forderung nach dem Betreuungsgeld steckt ein perfider und “hinterfotziger” Plan. Für alle Nicht-Bayern:  “hinterfotzig” heißt in Bayern intelligent und gilt als Kompliment.  Besonders gern gesehen wird in Bayern “hinterfotziges” Verhalten, wenn Preußen die Leidtragenden sind. Und das ist hier der Fall!

Denn es geht ums Geld. Genau gesagt, um 3,5 Mrd Euro. Die müssen die Bayern wegen des depperten Länderfinanzausgleichs direkt in das marode Loch Berlin überweisen. Markus Söder als bayrischer Finanzminister und Leiter der Task Force „Rache“ hat eine Doppelstrategie entworfen: Eine Angriffspunkt ist Karlsruhe, das Bundesverfassungsgericht. Und der andere zielt geographisch direkt auf den Kern des Übels nach Berlin. Das trojanische Pferd ist dabei das Betreuungsgeld.

Sie wissen immer noch wie? Um das zu verstehen, muss man bei Pisa schon recht gut abschneiden. Wie die Bayern eben.

Zu den Fakten: Das Betreuungsgeld kostet 2,5 Milliarden im Jahr. Vielleicht 1 Milliarde fließt direkt nach Bayern, weil die so wenig Kitas haben. Eine volle Milliarde holt sich hier der Söder direkt zurück!

Aber die Hinterfotzigkeit hört hier gar nicht auf und richtet sich direkt gegen Berlin.  Die haben zwar Kitas, aber keiner geht mehr hin, weil das Geld sich ja besser gleich direkt für Alkohol und Zigaretten ausgeben lässt. Der größte Anteil des versoffenen Betreuungsgeldes fließt gleich wieder ans Finanzamt: Kostet eine Wodkaflasche 5 EUR ist der Fiskus über Mehrwert- und Branntweinsteuer mit 4,20 dabei!

Jetzt fragt sich der geneigte Leser: Was haben die Bayern davon? Richtig freuen kann sich Markus Söder und sein kongenialer Parteifreund Dobrind darüber, dass die Preußen weiter doof bleiben: Die PISA-Ergebnisse werden dank Betreuungsgeld in Berlin nicht besser.  Damit  wächst natürlich der  wirtschaftliche Vorsprung der Bayern; das heißt höhere Löhne und mehr Steuern. Am Ende sogar mehr Betreuungsgeld, weil mehr Frauen zuhause bleiben können.

Warum wird dieser Plan in Berlin nicht entlarvt? Unser regierender Bürgermeister bemerkt erst drei Wochen  vor Eröffnung, dass er keinen neuen Flughafen hat. Wie soll der Markus Söder auf die Spur kommen.

Good Luck Pat Cash

Als der australische Tennisstar Pat Cash überraschend 1987 das Wimbledon-Finale gegen Ivan, den Schrecklichen, Lendl gewann, wurde er gefragt, wie er sich seine Zukunft vorstelle. Seine Antwort war sinngemäß: Kein Tennis, viel Bier und ein Bierbauch.

Wieder ein Begnadeter, der nicht weiß, welche Gabe und welches Talent er einfach wegwirft, dachte ich damals. Als einer, der sich immer alles erarbeiten muss
te, und bei dem der Ball nie von alleine über das Netz flog, schaute ich auf solche Überflieger wie Cash immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Unverständnis.

In der Folge – meistens, wenn mich selbst auf dem Sportplatz quälte – stellte ich mir Pat Cash nach dem Ende seiner Karriere vor, wie er gemeinsam mit Crocodile Dundee am Tresen sein Six Pack vernichtet. Gelegentliche Walkabouts konnten nichts daran ändern: der Frauenschwarm ging auseinander.

Soweit die Theorie und dann dieses Jahr die Enttäuschung: Bei den Übertragungen der Paris Open sah ich als Co-Moderator einen guttrainierten, schlanken und verdammt gut aussehenden Aussie, der mit knapp 47 gerade zum „Sexiest Grandfather of the Year“ gewählt worden war.

Verwundert begann ich nach Pat Cash zu Googlen.  Zu meiner Überraschung fand ich eine sehr traurige Lebensgeschichte: Dieser Sunnyboy hat nicht nur viele Höhen auf dem Tennis-Court erlebt, sondern fast 20 Jahre mit Drogen, Abstürzen, Depressionen und Kliniken. Er kam nie mit dem Druck als Tennis-Weltstar zurecht. Große Erfolge haben nicht dazu geführt, dass er zufrieden sein konnte, mit dem was er erreicht hatte. Die Angst vor dem Versagen hat immer alles zugedeckt. Trotz Erfolg, einem Haufen Geld, einer schönen Frau, einer wunderbaren Familie – innen blieb eine Leere, die ihn besonders nach seiner aktiven Tennislaufbahn abstürzen lies.

 Mich hat berührt, wie dieser Tennisheld, dessen Leichtigkeit und Können auf dem Platz ich immer bewundert habe, über diese schwere Zeit so offen schrieb. Und ich dachte bei mir: Pat, Du hast wahrscheinlich noch ein Match vor dir, das ich auch gut kenne. Den Kampf um die innere Zufriedenheit. Und ich weiß auch, diesen Kampf gewinnst Du nicht in Wimbledon. Good Luck Pat!

Politik für Anfänger

Es gibt Länder, die sich Demokratie nennen, da soll es gang und gäbe sein, dass Politiker Wähler mit Geldscheinen bestechen, damit sie an der richtigen Stelle ihr Kreuz machen.

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Glücklicherweise sind wir von solchen Sitten weit  entfernt. Bei uns funktioniert Politik völlig anders. Um zu verstehen wie und mit welchen Mechanismen, versetzen wir uns in eine kleine mittelalterliche Stadt und stellen uns vor, die hätten unsere Demokratie mit Regierung und Parlament.

Und schon sind wir mittendrin in einer Fraktionssitzung der Regierungspartei  im  Ort Hinterweiler. Thema: Wie können wir bei der nächsten Wahl mehr Stimmen bei den Leuten in den Vortorten gewinnen? Dann kommt ein spannender Vorschlag: Die Leute müssen doch immer zu Fuß von den Vororten in die Stadtmitte zur Arbeit gehen. Wenn wir sie dabei entlasten, verbessern wir unser Ansehen und bekommen mehr Stimmen.

Nach kurzer Pause entsteht auf den hinteren Bänken die wegweisende Idee: Die Leute verbrauchen auf ihrem Weg Kalorien, dafür geben wir eine Hilfe in Form von zwei Semmeln. Sie sehen Hinterweiler liegt in Bayern, die Idee funktioniert aber auch in Schwaben, da sind es dann Weckle oder in Niedersachsen Brötchen.

Von der Fraktionsspitze kommt nun der Einwand: Das wird uns von der Oppositionspartei und den Medien als direkte Bevorzugung der „Vorortler“ vorgehalten. Eine Arbeitsgruppe findet  nach einiger Zeit die rettende Lösung: Nicht die „Vorortler“ werden subventioniert, sondern die Bäcker, die den „Vorortlern“ die Brötchen zuteilen sollen.

Diese geniale Lösung hat mehrere Vorteile. Jeder Einwand kann nun weggewischt werde mit dem Zauberwort:  Arbeitsplätze!  Denn es werden ja Arbeitsplätze bei den Bäckern gesichert.

Ja noch mehr: Es entstehen neue Arbeitsplätze in der Stadtverwaltung, um die Zuteilung der Brötchen zu überwachen. Darüber spricht man dann aber nicht so laut öffentlich, denn selbst in Hinterweiler ist dieser Art der Aufblähung der Stadtverwaltung – außer bei den abgehalfterten Politkern , die auf diesem Weg versorgt werden  -  nicht mehr sehr populär.

Die große Regierungspartei ist glücklich und freut sich auf die nächste Wahl. Wenn da nicht der kleine Koalitionspartner wäre, der zähneknirschend zugestimmt hat, jetzt aber auch seine Leute bedient haben möchte.

Treue Wähler des kleinen Koalitionspartners sind die Wäschereien der Stadt bzw. deren Besitzer. Der kleine Koalitionspartner hat nun für alle überraschend festgestellt, dass der Bach im Ort weniger Wasser führt als der im Nachbarort. Die Wäschereien sind von der außerstädtischen Konkurrenz bedroht! Sie werden es schon ahnen: es droht ein Verlust an Arbeitsplätzen. Also wird eine „Wenigwasserhilfe“ erfunden, um die Chancengleichheit wieder herzustellen.

Alle sind glücklich. Außer  – sie ahnen es vielleicht schon – die Oppositionspartei, die sitzt nämlich nicht an der Quelle, um Wohltaten zu verteilen. Ihre Waffe trifft aber ins Herz:  Sie fordert eine Erhöhung der Hilfe für die Armen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, werden Demonstrationen organisiert, auf denen die Regierungsparteien  als asozial und herzlos gebrandmarkt werden.

Die Parteien, die am Ruder sind, müssen der Opposition den Wind aus den Segeln nehmen, um die Wahlen nicht zu verlieren, und erhöhen die Hilfe für die Armen. Dabei betonen Vertreter der Regierungspartei, dass man sogar über die Forderungen der Opposition hinausgegangen ist.

So oder ähnlich funktioniert Politik in Hinterweiler. Aber nach ein paar Jahren stellt man fest, dass viel mehr Geld ausgegeben wurde als man eingenommen hat. Der größte Anteil der Steuern wird nun schon von den Zinsen aufgefressen, die man für die vielen aufgelaufenen Schulden bezahlen muss.

Guter Rat ist teuer! Die Hinterweiler Parteien beraten gemeinsam und haben die rettende Idee: Alle Parteien verpflichten sich in 10 Jahren keine Schulden mehr zu machen. Das habe schon einmal den Vorteil, dass die Parteien noch ein bisschen so weiter machen könnten wie bisher. Und damit  niemand die Parteien dafür verantwortlich machen könne, wenn ein Verlangen nach einer neuen Wohltat nicht befriedigt werde, sollte diese Regel in das goldene Stadtbuch eingetragen  und Schuldenbremse genannt werden. So geschah es denn!

 

Ein griechischer und ein estnischer Finanzexperte im Dialog

Auf der letzten EU-Konferenz zum Euro hatten zwei Finanzfachleute aus Griechenland und Estland am Rande der Veranstaltung Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustauch.

Das Gespräch soll nach Berichten von Ohrenzeugen in etwa so verlaufen sein.

Der Este: “Die reden wieder ewig heute.“

Der Grieche: „Die sollen einfach überweisen, was überlegen die so lange.“

Der Este: „Warum habt Ihr denn auch so eine Menge Schulden?“

Der Grieche: „Was soll denn diese Frage? Alle in der EU haben eine Menge Schulden.“

Der Este: „Wir nicht. Unsere Schulden betragen nur 6% des Bruttosozialproduktes.“

Der Grieche:  „Ich glaube, ich muss Dir einmal erklären wie es hier läuft. Ihr seid ja erst kurz dabei. Wir haben Schulden von etwa 31.000 EUR pro Kopf. Wenn wir Pleite gehen, ist für alle, die für uns haften, so etwa ein kleiner BMW weg. Das kann Merkel ihren Leuten nicht erklären. Deshalb zahlen die lieber weiter.“

Der Este: „Findest Du das nicht unfair? Wir zum Beispiel haben Firmen aufgebaut wie Skype, damit man umsonst im Internet telefonieren kann.“

Der Grieche:  „Bei uns war vieles auch ohne Skype immer umsonst. Außer wenn wir Genehmigungen bei Behörden brauchen; das war schon immer richtig teuer.“

Der Este:  „Habt ihr denn nie daran gedacht, alles bei Euch zu verändern? Wir hatten vor vier Jahren auch eine große Krise und haben enorm gespart und Steuern erhöht. Unsere Leute haben ein Drittel ihres Einkommens verloren.“

Der Grieche: „Sind denn eure Leute nicht auf die Straße gegangen?

Der Este: „Nein, alle wussten, dass wir etwas verändern müssen. Außerdem, so schlimm war es wieder nicht. Die Russen waren viel schlimmer!“

Der Grieche: „Verstehe ich nicht. So bekommt ihr nie einen, der für Euch bezahlt.“

Der Este: „Wollen wir gar nicht. Warum fangt ihr nicht endlich an, einmal Steuern bei euren eigenen Leuten einzusammeln. Ihr habt doch viele Reiche.“

Der Grieche: „Das ist schwierig. Das Geld ist schon weg. 200 Milliarden sind zum Beispiel in der Schweiz. Wenn wir die 60 Milliarden Steuerschulden eintreiben könnten, sähe die Welt sicher anders aus.“

Der Este: „Das sind Summen. Wir haben gerade einmal 1 Milliarde Schulden insgesamt.“

Der Grieche: “Ich mache Dir einen Vorschlag. Wir tauschen einmal unsere Jobs.“

Der Este: „Nein danke, ich glaube mit so vielen Nullen kann ich nicht rechnen.“

Der Grieche: „Ach, da gewöhnst Du Dich dran: Wenn Du immer eine Null als Chef hast, macht Dir das Schreiben von Nullen bald nichts mehr aus!“

 

Lance Armstrong – vom Helden zum Geächteten

Erst war er der Held, der den Krebs besiegte, den Tourmalet, den Ulrich und die komplette T-Mobile-Mannschaft gleich mit. Jetzt ist der der „Geächtete“, wie eine Zeitschrift schreibt.

Der ehemalige Tour de France-König File:Armstrong.jpgist tief ins Dopingloch gefallen und nicht auf den Gouverneurs-Sessel in Texas.  Mitleid ist nicht angebracht:  Der Mann hat nicht nur alle sportlichen Fairnessregeln  verletzt, sondern auch mafia-ähnliche Strukturen in seinem Umfeld aufgebaut, um sein systematisches Dopen zu vertuschen. Erfolg um jeden Preis!

Nachdem der König nun gefallen ist, wird er von der Radsportszene gekreuzigt, wie die WELT schreibt. Seine ehemaligen Mannschaftskollegen haben ihn alle nacheinander belastet, um ihre eigene Haut zu reden. Den Vogel schießt nun Rudi Pevange ab, der Ex-Chef des T-Mobile-Teams: T-Mobile hätte gedopt, um  Chancengleichheit herzustellen. Man habe nur auf Armstrongs Doping-Raketen-Ergebnisse reagiert. Welch Heuchelei! Blöd nur, dass die Freiburger-Doping-Ärzte die „Doperei“ des T-Mobile-Teams schon für eine Zeit gestanden haben, in der Armstrong noch im Krankenhaus lag. Zwar auch unter Medikamenteneinfluss, aber nicht, um seine Konkurrenten in den Pyrenäen abzuhängen.

Schon erstaunlich, wie viele von Armstrong entweder gezwungen, verleitet oder zum Doping verführt worden. Es gibt einen Bösewicht und ansonsten nur Opfer: die Kameraden, die Konkurrenten, der UCI, die Ärzte, die Sponsoren, das Fernsehen, die Zuschauer und natürlich auch Rudolf Scharping. Den derzeitigen Präsidenten des „Radlerbundes“ hat es ganz böse erwischt: Erst ein Opfer der Presse und des Kanzlers und jetzt muss er sich auch noch Gedanken machen, ob jemand die vakanten gewordenen Tour de France-Trophäen des gefallenen Superhelden bekommen soll.

Dabei gibt es dafür eine optimale Lösung: Alle die weniger als Armstrong gedopt haben erhalten eine Zeitgutschrift, die anderen – wen es die gibt- einen Zeitmalus. Eine Beirat gebildet aus Vertretern der Pharmaindustrie liegt die Maßeinheit „ein Armstrong“ dafür fest und kürt gemeinsam mit dem internationalen Radsportverband den neuen Tour-Sieger.

Wenn das nicht geht, weil die UCI die Doping-Messergebnisse nach der großzügigen Armstrong-Spende verschlampt hat, bleibt nur eine Notlösung: Alle werden disqualifiziert und Rudolf Scharping Tour-Sieger. Der ist, wenn ich richtig informiert bin, große Teile der Tour auch schon einmal abgefahren.  Garantiert ungedopt und ahnungslos.