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Abschalten ist auch keine Lösung!

Roland Reuss lehrt an der Heidelberger Universität. Zuletzt hat er sich in der FAZ vom 12.11.13 mit dem Thema der Weitergabe und Auswertung von Leserdaten beschäftigt: Was als Service daherkomme, sei in Wirklichkeit eine Torheit, schreibt er aus der Perspektive eines Verantwortlichen für eine Universitätsbibliothek.

Er beklagt den Trend, alle möglichen Daten der Leser zu sammeln, um diesen das Suchen und Arbeiten vermeintlich leichter zu machen. Wenn dabei noch die Software amerikanischer IT-Unternehmen wie Google oder Amazon genutzt oder mit diesen IT-Giganten sogar kooperiert werde, ist der Untergang des Abendlandes nahe: Der massenhaften Ausspähung von Daten durch Regierungskreise sei Tür und Tor geöffnet. Wie beim Bau von Kernkraftwerken haben man die „Folgekosten“ dieser Entwicklung nicht berücksichtigt.

Auch wenn man viele Entwicklungen, die Reuss beklagt, nicht positiv findet, greifen seine Analyse und auch seine Schlussfolgerungen viel zu kurz: Auch deutsche Internet-Nutzer entscheiden sich in ihrer großen Mehrheit für Services, bei denen sie eine Fülle persönlicher Daten preisgeben, ohne über die Folgen nachzudenken. Wie konnte es soweit kommen? Auch dazu, dass es in vielen Fällen gar keine echte Alternative dazu gibt?

Wenn Herr Reuss beklagt, was aus den Bollwerken der europäischen Bildung geworden geworden sei, könnte man ihm die Frage stellen: Warum haben denn deutsche und europäische Universitäten keine IT-Lösungen entwickelt, die gleichzeitig einen guten Service bieten und unseren Datenschutzanforderungen genügen?

Als Antwort würde bestimmt kommen: Wir haben gar nicht das Geld! Vielleicht liegt es aber weniger an den finanziellen Mitteln als an den Prioritäten? In Gesprächen mit Vertretern deutscher DatenschutzOrganisationen und Unternehmen habe ich oft gehört: Wir wollen im IT-Bereich gar nicht voran gehen, sondern eher auf fahrende Züge aufspringen. Mit dieser Geisteshaltung ist es dann schwer, bei der Fahrtrichtung mitzureden. Und ich glaube, dass wir in Deutschland und Europa sehr vernünftige Argumente einbringen können, wenn es um den Schutz der Privatsphäre und den Erhalt demokratischer Grundrechte. Man muss aber mitmachen und gestalten, denn Abschalten ist bestimmt keine Lösung!